Der Spreewald
Im Jahre 1328 taucht der Name Spreewald erstmalig auf. Zahlreiche Sümpfe und Wälder machen ihn schwer zugänglich, und lange Zeit haftet ihm das Odium an, ein Zauberwald zu sein. Erst im Laufe vieler Jahrhunderte wird er wirtschaftlich erschlossen. Die Menschen gewinnen Wiesen und Äcker und legen Wasserkanäle an. Zusammen mit den von der Natur geschaffenen Fließen und Gräben ist damit ein Wasserlabyrinth von hunderten Kilometern Wasserwegen entstanden, das mittlerweile zu den attraktivsten Ferienzielen Deutschlands gehört.
Eine einmalige Tier- und Pflanzenwelt ist hier zu Hause.
Als Herz der Region gilt der geheimnisumwitterte Hochwald mit seinen mächtigen Bäumen, an dessen Rand die »Pohlenzschenke« liegt. Sie ist die älteste Gaststätte der Gegend, mit einem Saal, der nach Zeichnungen des berühmten Baumeisters Karl Friedrich Schinkel entstanden ist. Am Rande des sogennanten Bürgerwaldes steht auf einer Erhöhung die Gaststätte »Wotschofska«, die zu den beliebtesten Ausflugslokalen gehört. Die Ortschaft Burg bildet das östlichste Tor des Spreewaldes und dürfte als Streusiedlung von der Fläche her, die wohl größte Gemeinde Deutschlands sein. Sie gilt als slawisches Zentrum der Region, auf dessen zweisprachigen Charakter auch auf den meisten Ortsschildern hingewiesen wird.

Die ehemals natürliche Vegetation aus Erlenbruchwald und Erlen-Eschenwald findet sich gemeinsam nur noch im Hochwald. Der übrige Teil wird zudem durch auwaldartigen Niederungswald und Kiefern-Stieleichen-Birkenwälder geprägt. In der offenen, parkartigen Landschaft hat sich bei extensiver Bewirtschaftung eine große Artenvielfalt entwickelt. Am und im Wasser wachsen Teich- und Seerosen, sowie das Pfeilkraut. Eine Seltenheit stellt die Zwergwasserlinse, unsere kleinste heimische Blütenpflanze dar. Zu den wichtigsten Fischen, die in den Fließen anzutreffen sind, gehören Hecht, Zander, Karpfen, Plötze, Blei, Aal und Barsch.
Allen Vögeln voran begründet der Weißstorch den Ruf dieser Region als Storchenhochburg. In hochwaldähnlich verbliebenen Waldgebieten brütet der scheue Schwarzstorch, Kranich und Seeadler. Andere vom Aussterben bedrohte Arten wie Wiedehopf und Brachvogel kann man im Spreewald antreffen. Kaum hat man ihn wahrgenommen, ist er auch schon wieder verschwunden: Der blauschillernde Eisvogel jagt mit schrillem Schrei über das Wasser. Der in Mitteleuropa selten gewordene Fischotter ist in fast allen Fließen zu Hause.Über 40 Libellenarten konnten bislang im Biosphärenreservat nachgewiesen werden, wobei die Gebänderte Prachtlibelle wohl am Häufigsten zu beobachten ist.
Mit einem Vorkommen von rund 725 Farn- und Blütenpflanzen - ein Drittel davon steht auf der roten Liste - ist der Spreewald für den Naturschutz ein Gebiet von besonderer Bedeutung. Gegenwärtig sind 45 Säugetierarten, darunter acht Fledermausarten, 136 Brutvogelarten und 75 Gastvogelarten, 16 Arten von Kriechtieren und Lurchen, 33 Fischarten, 109 Weichtierarten, 44 Libellen- und 226 Käferarten nachgewiesen. Insgesamt ist mit etwa 12 000 Tier- und Pflanzenarten zu rechnen.
